Ein Gedanke über den mutigsten Satz der Welt

Letzte Woche habe ich von der Schwelle erzählt, auf der ich gerade stehe.

Eine Schwelle ist kein Ort des stillen Verharrens. Sie ist ein aktiver Raum.

Für mich bedeutet das gerade sehr konkret:

Ich bereite meine Bewerbung bei einer literarischen Agentur vor.

Bewerbung.

Wie ich dieses Wort gehasst habe – früher, als ich mich für Jobs bewerben musste.

Damals erschien mir eine Bewerbung wir ein Akt der Selbstverleugnung: die guten Seiten ausstellen, die schlechten verstecken.

Heute, nach einem ganzen Leben Berufstätigkeit entdecke ich die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes neu.

Im Wort Bewerbung steckt das leise, ehrliche Werben.

Ich werbe um das Vertrauen eines Menschen, der meine Arbeit versteht und sie in die Welt tragen will.

Meine Nachbarin wirbt um einen Partner für den nächsten Abschnitt ihres Weges.

Werben ist ein Akt radikaler Sichtbarkeit.

Es verlangt, das Innerste – die eigenen Geschichten, die eigene Vision – offenzulegen und zu sagen: „Hier bin ich. Das ist mir wichtig. Glaubst du auch daran?“

Es ist ein zutiefst verletzlicher Prozess. Er ist voller Hoffnung und der Möglichkeit der Ablehnung. Man kann sich nicht dahinter verstecken.

Vielleicht kennen Sie das aus Ihrem eigenen Leben.

In welchen Momenten „werben“ Sie gerade auf diese stille Art?

  • Vielleicht um die Versöhnung in einer Beziehung.
  • Vielleicht werben Sie darum, dass eine alte Wunde endlich heilen darf.
  • Oder Sie werben um das Vertrauen bei einem Weg ins Ungewisse

Dieses Werben ist das Gegenteil von Lärm.

Es ist die Bewegung auf der Schwelle.

Es ist der mutige Versuch, eine Verbindung zu knüpfen – zu einem anderen Menschen, zu einer neuen Zukunft, zu sich selbst.

Es ist der Motor der Veränderung.

Herzlichst Ihre Lea Söhner

Die sieben unvergesslichen Worte zur Wahl sind heute diesem Thema gewidmet:

Wagnis:
Der bewusste Entschluss, das Risiko der Sichtbarkeit einzugehen.

Offenbarung:
Hier bin ich, das ist meine Wahrheit.“

Hingabe:
Die Qualität des Angebots, das nicht aus Kalkül, sondern aus Herzblut entsteht.

Zuspruch:
„Ich sehe dich. Mach weiter.“

Schwebezustand:
Die verletzliche Zeit nach der Offenbarung und vor der Antwort.

Absage:
Die geschlossene Tür. Der Moment, der zur Neuorientierung zwingt.

Zusage:
Die neue Tür öffnet sich und verwandelt die Schwelle in einen neuen Raum.

Herzlichst Ihre Lea Söhner

Wählen Sie das Wort, das Sie durch Ihre Woche begleitet.

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