
Liebe Leserin, lieber Leser,
kennen Sie das Gefühl:
nicht mehr im Alten und noch nicht im Neuen zu sein?
Auf einer Schwelle zu stehen, in diesem Augenblick des Dazwischen?
Ich schreibe Ihnen heute darüber, weil ich selbst gerade dort stehe.
Ich habe einen vertrauten Raum verlassen – den meines Verlags, der ein Zuhause für mich und meine letzten Bücher war. Eine bewusste Entscheidung für einen neuen Weg.
Mein nächstes Buch wird nicht, wie angekündigt, im Herbst erscheinen.
Und nun?
Nun stehe ich auf der Schwelle. Einen literarischen Verlag zu finden, ist eine anspruchsvolle Reise.
Kein bequemer Ort.
Aber die Unsicherheit selbst wird zum Raum.
Ein Raum, sich zu sammeln und zu fragen: Was will ich wirklich mitnehmen?
Ich will schreiben lernen.
Ich will mich schleifen.
Ich will tiefer hineindringen und das Schreiben als Transformationsweg für mich noch stärker entdecken.
Vielleicht stehen Sie auch gerade auf einer Schwelle, einer kleinen oder einer wirklich großen.
Ein Bekannter von mir ist diese Woche gestorben. Er ist lange auf seiner letzten Schwelle stehengeblieben; es schien, als gäbe es kein Vor und kein Zurück.
Niemand will langsam sterben. Doch genau dort geschah für ihn das große Herausschälen.
Ist es nicht der Prozess des Schwellengangs, in dem das Leben am tiefsten ausschwingt?
Herzlichst
Ihre Lea Söhner
Die unvergesslichen Worte dieser Woche
Welcher Aspekt eines Übergangs beschäftigt Sie gerade am meisten?
Wählen Sie das Wort, das für Ihre Situation am besten zutrifft:
- Schwelle (am Ort des Übergangs)
- Übergang (der Prozess der Veränderung)
- Wendepunkt (der Moment der Entscheidung)
- Dazwischen (der Zustand des Schwebens)
- Aufbruch (die Absicht, neu zu beginnen)
- Scheideweg (die bewusste Wahl)
- Innehalten (die Handlung des Sammelns)
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"Worte der Woche"
Meine Bücher
Sie handeln von den einfachen Menschen, von ihren Hoffnungen und Sorgen, ihren kurzen Siegen, ihren Hoffnungen und ihrer allzu oft verborgenen Liebe
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Über mich
Bäuerlich sind meine Wurzeln. Bauern und Bäuerinnen waren alle meine Ahnen. Ich trage es in mir, das Bauern-Dasein, die Erinnerung an den Duft der Erde
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Mein Blog
Angeeignetes aus Philosophie, Musik, Poesie und Malerei. Texte über den alltäglichen Wahnsinn und dem Versuch, die eigene Mitte zu bewahren
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Liebe Lea,
vielen lieben Dank für dein Teilen und die Anregung.
Das passt gerade sehr zu dem, was mich beschäftigt.
Im letzten Jahr vor Rentenbeginn ist für mich der Übergang schwerer als erwartet. Mir war nicht so klar, dass ich viel Anerkennung durch meine Klienten erhalten habe und ich habe es mir nicht wirklich eingestanden, dass Anerkennung mir so wichtig ist.
Will ich mich also mit Rentenbeginn auch verabschieden von dem Gedanken, nur über Anerkennung für das was ich bin, wenn ich etwas sinnvolles tue, vor anderen mich gut und wertvoll zu fühlen?
Ist die Tatsache, dass mir die Art zu arbeiten, wie ich sie mitmenschlich gut finde, schwerer gemacht wird, eine Hilfe, besser loszulassen?
Wie komme ich klar mit dem Wissen, dass nach meinem Weggang die Belastung für die zurückbleibenden Kollegen noch mehr ansteigt?
Kann ich deshalb vielleicht doch noch nicht loslassen? Schaffe ich es dann ggfs. wenigstens ab dem möglichen Rentenbeginn besser für mich zu sorgen und mein Engagement zurückzufahren?
Wenn ich wüsste, dass ich noch zwanzig Jahre gutes Leben vor mir habe, würde ich noch weiterarbeiten.
Wie fühle ich mich, wenn mein monatliches Einkommen stark sinkt? Wirkt sich das auf mein Selbstwertgefühl aus?
Werde ich nach Rentenbeginn mir ehrenamtlich wieder soziale Arbeit aufhalsen um wieder Anerkennung zu bekommen, so wie ich es gewohnt bin?
Was ist jetzt dann wirklich für mich dran? Was hat bisher gefehlt? Was habe ich vor lauter Kindererziehung, Haushalt, Arbeit und Überengagement lange vernachlässigt?
Sogar: Ist das Leben ohne Arbeit für mich noch lebenswert? Kann es sein, dass ich in ein Loch falle?
Kann ich es ertragen, faul zu sein? Oder kann ich lange Zeiten der Muße genießen lernen?
Warten noch Aufgaben anderer Art auf mich?
Gibt es Begabungen, die ich bisher nicht entdeckt habe?
Wie komme ich an lange unterdrückte. vielleicht noch nie wahrgenommene Bedürfnisse heran?
Was alles schreibe ich auf meine „Löffelliste“?
Schaffe ich es jetzt dann endlich, mich auf meine Gesundheit mehr zu konzentrieren, damit ich noch einige gute Jahre ohne Funktionieren-müssen habe bei möglichst guter Gesundheit, Vitalität und Beweglichkeit?
Ich finde, die Wörter Übergang, Dazwischen, Innehalten und Sammeln passen gut zu meinem Zustand.